Aus den USA kommt jetzt ein neues wegweisendes Verfahren zur Nasennebenhöhlen-Chirurgie auch nach Deutschland, die sog. Balloon Sinuplasty. Die neue Methode baut auf der Ballondilatation auf, die vor genau 30 Jahren die Herzchirurgie revolutioniert hat.

Ganz schön schmerzhaft
Richtig schätzen werden diese neue Form des Eingriffs vor allem jene, die schon einmal eine klassische Operation an den Nasennebenhöhlen über sich ergehen lassen mussten. Die ist nicht nur mit einer guten Woche Liegezeit im Krankenhaus verbunden, sondern auch ausgesprochen unangenehm und schmerzhaft. Nach dem Eingriff ist die Atmung tagelang durch das Tragen von Tamponade in den Nasenlöchern stark behindert. Auch die Nahrungsaufnahme wird dadurch zur Tortur. Halten Sie sich einfach mal die Nase zu und versuchen so ein Brötchen zu essen.
Auch nach der Entlassung aus der Klinik ist Schonung angesagt. Mögliche Nachblutungen erlauben keine anstrengenden Aktivitäten, und aufgrund der durch die OP zerstörten Schleimhäute sind die Betroffenen noch Monate später überdurchschnittlich infektanfällig.
Ambulanter Eingriff statt Klinikaufenthalt
Nasentamponade, nachoperative Schmerzen und zahlreiche weitere Probleme der Nebenhöhlenchirurgie könnten jedoch schon bald der Vergangenheit angehören. Für immer mehr Mediziner ist die Balloon Sinuplasty die neue Methode der Wahl. Dabei handelt es sich um ein sog. minimal-traumatisches ambulantes Verfahren, bei dem keine oder nur geringe Blutungen auftreten und auch die Schleimhäute nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Somit erübrigt sich das Tragen von Tamponade nach der Behandlung. Auch andere gefürchtete Komplikationen eines chirurgischen Eingriffs, z.B. der Verlust des Geruchssinns oder das erneute Auftreten von Engstellen durch starke Narbenbildung, treten bei der Balloon Sinuplasty nicht oder nur in geringem Ausmaß aufgrund der weitestgehend vollständigen Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Schleimhaut auf. Der Patient ist schon am Tag nach dem Eingriff wieder voll arbeitsfähig und belastbar. In den USA wurde diese Form zur Weitung der Ausführungsgänge der Nebenhöhlen in den letzten zwei Jahren bereits mehr als 30.000 mal erfolgreich und ohne Komplikationen durchgeführt.
Ähnlich wie beim Herzkranzgefäß werden auch die Engstellen im Nebenhöhlensystem mit Hilfe eines zylinderförmigen Ballons, der mit einer kontrastmittelhaltigen Lösung unter Druck gefüllt wird, dauerhaft geweitet. Bislang wird das Verfahren meist unter einer schonenden Kurzzeitnarkose durchgeführt. Experten rechnen für die Zukunft jedoch damit, dass sich auch eine lokale Betäubung durchsetzen könnte.
Falls erforderlich, kann die neue Technik im Einzelfall durch herkömmliche Verfahren der Nebenhöhlenchirurgie ergänzt werden. Oberstes Ziel bleibt allerdings immer, dem Patienten eine minimal-invasive Methode anzubieten.
Neben den vielen internationalen Publikationen die sich mit der Ballon Sinuplasty befassen gibt es auch bereits eine deutsche wissenschaftliche Publikation.