Wie funktioniert AET?
Im Rahmen einer AET-Trainingssitzung absolviert man zunächst eine Entspannungsübung (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson). Nachdem man infolge dieser Übung einen Zustand mentaler und körperlicher Entspannung erreicht hat, wird man zur Imagination einer Ruhe-Szene angeleitet: Man soll sich vorstellen, wie man an einem schönen Sommertag entspannt in einem Liegestuhl liegt und Veränderungen der von der Sonne ausgehenden Helligkeit und Wärme beobachtet. Die Vorstellung, sich im Liegestuhl in der Sonne zu räkeln, wird begleitet von angenehmen Sinnesempfindungen. Diese Empfindungen werden gezielt durch Licht- und Wärmereize hervorgerufen, welche von einem Infrarotstrahler ausgesandt werden. Die Intensität der Wärme verändert sich im Laufe der Zeit, man wird angeleitet, diese Veränderungen aufmerksam zu verfolgen.
Die Durchführung der AET-Trainings-sitzungen erfolgt computergestützt: Die Instruktionen zu den Entspannungs- und Imaginationsübungen werden als Audio-Datei von einem Computer ausgegeben. Dieser steuert gleichzeitig einen eigens für das Training konstruierten elektronischen Regler so, dass sich die Intensität der Licht- und Wärmereize genau passend zur Vorstellung einer variierenden Sonnenstrahlung verändert.
Die Licht und Wärmereize werden im Rahmen der Imagination gezielt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, sie sollen Aufmerksamkeit binden. Mittels der Aufmerksamkeitsbindung soll eine Nichtbeachtung des unangenehmen Tinnitus gefördert werden. Darüber hinaus kommt den Wärmereizen auch eine entspannungssteigernde Funktion zu; Wärme ist geeignet, körperliche Entspannung bzw. Wohlbefinden zu fördern.
Durch die wiederholte Koppelung von bestimmten mentalen Vorstellungsinhalten mit gezielt ausgelösten angenehmen körperlichen Empfindungen wird im AET außerdem eine Konditionierung von Entspannungsreaktionen und emotional positiver Befindlichkeit angestrebt (emotional conditioning).
Teilnahme am AET
Die vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen und die bisherigen klinischen Erfahrungen zeigen, dass üblicherweise etwa 15 AET-Sitzungen ausreichen, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen. Es empfiehlt sich, pro Woche ein bis zwei Trainingssitzungen durchzuführen.
In der HNO-Gemeinschaftspraxis wird das AET zu speziellen Terminen an-
geboten.
Zusammenfassung
Eine unangenehme Empfindung wie Tinnitus wird besser ertragen, wenn die betroffene Person mental intensiv
mit anderen Dingen beschäftigt ist. D.h., dass störende Reize bzw. Empfindungen umso eher toleriert werden, je weniger Aufmerksamkeit ihnen gewidmet wird. Außer dem Abgelenkt-Sein hat auch Entspannung günstige Effekte: Im entspannten Zustand werden unangenehme Empfindungen als weniger störend oder belastend empfunden.
Das an der Universität Trier entwickelte Ablenkungs- und Entspannungstraining (AET) stellt eine nachweislich wirksame Methode zur systematischen Förderung von Ablenkung und Entspannung dar. Nach einer Entspannungsinduktion wird Aufmerksamkeit gezielt vom Tinnitus weggelenkt, indem angenehme Sinnesempfindungen in den Mittelpunkt der Wahrnehmung gerückt werden. Die Sinnesempfindungen werden gezielt durch Licht- und Wärmereize hervorgerufen; die Reizintensität wird computergesteuert variiert.
In der Behandlung von Patienten mit chronischem Tinnitus hat sich das AET als sehr erfolgreich erwiesen. Es führt zu einer deutlich spürbaren und nachhaltigen Verminderung der Tinnitusbelastung und einem besseren Ignorieren-Können des Tinnitus.